COMPOSER-IN-RESIDENCE 2017

Sven Helbig

Sven Helbig, 1968 geboren, verbrachte seine Kindheit in Eisenhüttenstadt. Er entdeckte die klassische Musik zufällig auf einem der wenigen Sender, die er in der damaligen DDR mit seinem selbstgebauten Radio empfangen konnte. Was als Faszination für Halbleiterschaltkreise begann, wurde zum Lebensmittelpunkt. Nachdem er nächtelang Brahms und Mahler anhörte, inspiriert Puccinis "Tosca" ihn zum Klarinette spielen. Später erlernt der vielseitig interessierte Musiker auch Schlagzeug. An Stanley Kubricks Werken entflammt schließlich seine Leidenschaft für das Medium Film, in den Partituren von Richard Strauss und Wagner findet er die Lust, zu komponieren. Alles scheint miteinander verbunden und so entsteht das Verlangen, die unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten zu vereinen.

Nach dem Musikstudium in Dresden zieht Sven Helbig nach New York, spielt abends in den Clubs des Greenwich Village Schlagzeug und arbeitet tagsüber in einer Kuhglockengießerei in der Bronx. Der Ruf zum Dozenten an der Dresdner Hochschule Carl-Maria von Weber führt ihn zurück nach Deutschland. Dort gründet er 1996 mit alten befreundeten Musikern die Dresdner Sinfoniker, das erste europäische Orchester für ausschließlich zeitgenössische Musik.

In den folgenden Jahren wechselt er mit seinen Arbeiten zwischen konzentrierten, musikalischen Projekten als Produzent wie dem Liederzyklus "Mein Herz Brennt", dem Soundtrack zu "Battleship Potemkin", dem Ballett "The Most Incredible Thing" am Londoner Sadler’s Wells Theater und großformatigen Multimedia-Ereignissen, bei denen er oft eigene Kompositionen und die Regiearbeit verbinden kann. Beispiele hierfür sind die sogenannte Hochhaussinfonie zur 800-Jahr-Feier Dresdens oder das Chorwerk "Da Wird Auch Dein Herz Sein" für 250.000 Stimmen zum Kirchentag 2011.

Sven Helbig gehört zur jüngeren Komponistengeneration, für die Grenzen zwischen der klassischen Orchesterwelt, experimenteller Kunst und Popmusik nicht mehr existieren. So komponiert er erfolgreich Chor-, Orchester- und Kammermusikwerke für die klassische Konzertbühne und tourt gleichzeitig als Solokünstler mit elektronischer Musik. In den Solo-Konzerten bearbeitet er seine Orchesterkompositionen radikal – er zerlegt sie und lässt sie aus elektronischen Clustern neu entstehen. Verfremdete Vibraphonklänge, Synthesizersurogate, opulente Streicher und Breakcore-Kaskaden gehören dabei zu seinem breiten musikalischen Arsenal.

Er genießt Anerkennung in der zeitgenössischen klassischen Musikwelt genauso wie im Establishment und Underground der sogenannten U-Musik. So entstanden kreative Partnerschaften mit Künstlern wie dem Fauré Quartett, Opernsänger René Pape, Kristjan Järvi oder den Pet Shop Boys, Rammstein und Snoop Dogg.

Im Februar 2013 veröffentlichte Sven Helbig sein Debütalbum "Pocket Symphonies" beim Traditionslabel Deutsche Grammophon. Im September 2016 folgte das Konzeptalbum "I Eat the Sun and Drink the Rain" bei Neue Meister: ein Werk für Chor und Live Elektronics mit dem Vocalconsort Berlin, dirigiert von Kristjan Järvi.

Er ist derzeitig Composer-in-Residence am Deutschen Nationaltheater Weimar, an der Leipziger Universität und der Nationaluniversität San Martin in Buenos Aires. Im August 2017 begrüßen wir ihn in dieser Position beim Moritzburg Festival, wo sein Werk "Tres Momentos" uraufgeführt wird.

 

Rückblick - Composer bis 2016

Thomas Adès, Großbritannien
Gustavo Beytelmann, Argentinien
Chen Yi, China
Sofia Gubaidulina, Russland
John Harbison, USA
David Philip Hefti, Schweiz
Olli Mustonen, Finnland
Helmut Oehring, Deutschland
Matthias Pintscher, Deutschland
Torsten Rasch, Deutschland
Wolfgang Rihm, Deutschland
Esa-Pekka Salonen, Finnland
Iris ter Schiphorst, Deutschland
Steffen Schleiermacher, Deutschland
Daniel Schnyder, Schweiz
Steven Stucky, USA
Mark-Anthony Turnage, Großbritannien
Erkki-Sven Tüür, Estland
Jörg Widmann, Deutschland
Zhou Long, China

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